Niemals neu laden. Diese Prämisse hatte ich mir bereits mit dem Debüt von The Banner Saga (2014) selbst auferlegt. Jede Entscheidung zählt, es wird damit gelebt. Keine Ausreden wie „ach das hatte ich falsch verstanden, ich konnte doch nicht wissen, dass das passiert“. Nein, in Banner Saga wird entschieden, konsequent bis in alle Ewigkeit. Antwortoptionen abwägen, indem Situationen oder Charaktere richtig eingeschätzt werden müssen und mit der anschließenden Entwicklung zu leben, lässt sich mit Stoics meisterhaft geschriebener Trilogie, hervorragend üben.

Vier Jahre später erreichte ich das Ende der Geschichte. Ich hatte Verluste erlitten, Narben davon getragen, Tränen geweint und Siege errungen. Aus dem Bauch heraus, analysiert fundiert oder einfach emotional, entschieden habe ich immer. Manchmal hat es mich innerlich fast zerrissen, sodass ich mich außerstande sah, noch weiter die Qual an Entscheidungsdilemmata durchstehen zu können. Andere Male war ich stolz darauf, die Situation richtig eingeschätzt zu haben. Es wurde geschwitzt, gejubelt, geärgert und gelebt.

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Festgelegt

Da ich selbst im realen Leben immer wieder Schwierigkeiten habe, mich endgültig zu entscheiden oder mich auf etwas festzulegen, spiele ich gerne Videospiele mit der Möglichkeit, Einfluss auf den Verlauf einer Geschichte nehmen zu können. Dazu zählen beispielsweise Spiele von Telltale oder ältere Bioware Titel wie Star Wars: Knights of the old Republic, Dragon Age: Origins oder die Mass Effect Trilogie. Auch in Videospielen tue ich mir schwer, Entscheidungen zu treffen.

Doch ich kann ja einfach neu laden falls etwas schief läuft. Fühlt sich eine Entscheidung falsch an, wird einfach ein alter Spielstand hervorgeholt und neu entschieden. Entscheidungshilfen-Therapie in gesicherter Umgebung, wenn man so will. Doch wenn nichts endgültig ist, treffen wir dann überhaupt jemals eine Entscheidung? Wenn jede Mission, jedes Gespräch und Interaktion beliebig oft wiederholt werden kann, legen wir uns niemals fest, sondern schauen uns nur Optionen an. So lange, bis wir die beste Alternative gefunden haben.

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Gezweifelt

Die Banner Saga Trilogie konnte ich ohne Wiederholung beenden. Wenn Entscheidungen endgültig werden, wirkt sich das stark auf das Spielverhalten aus. Es wird genauer überlegt, jedes Wort zerpflückt und ein Psychoprofil zu jedem Begleiter erstellt. Ein Pendant zur Permadeath Option in anderen Spielen so zu sagen. Das Erlebnis Rund um meine Karawane wurde intensiver, spannender und nervenaufreibender. Gleichzeitig erlebte ich über die Jahre mit Banner Saga eine emotionale Achterbahn.

Wenn sich der Spielverlauf verdunkelt, weil Charaktere sterben oder meine Gefolgsleute das Vertrauen in meine Führungsqualität verlieren, verringert sich nicht nur die Moral auf dem Bildschirm. Ich wurde wütend, traurig und verlor ab und an selbst die Hoffnung, dass ich imstande war, meine Leute retten zu können. Des Öfteren gab ich dem Spiel die Schuld, unlogisch zu sein, oder mich den Spieler, mit Absicht zu täuschen. Doch auch das echte Leben da draußen ist manchmal so. Warum sollte ich also von den Charakteren etwas anderes erwarten. Ich gab nicht auf, kämpfte weiter und begann den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Banner Saga 3

Akzeptiert

Genau dieses Erlebnis hatte ich mir erhofft. In The Banner Saga übte ich meine Entscheidungen, schnell aber überlegt zu treffen. Viel wichtiger aber, ich begann deren Folgen zu akzeptieren. Das über drei Spiele laufende Experiment, wo sich Entscheidungen von Spiel zu Spiel übertragen lassen, zeigte mir zum ersten Mal, dass selbst Videospiele einem dabei helfen können, vergangene Urteile zu akzeptieren. So musste ich mit Fehlern aus den ersten beiden Teilen leben und mein Banner angeschlagen bis ans Ziel schleppen.

Videospiele zeigen uns all zu oft dramatische Geschichten, wo am Ende der Reise eine heile Welt auf uns wartet. Mit unendlich vielen Versuchen, können wir nicht scheitern. Spiele die Geschichten mit verschiedenen Pfaden anbieten, ermöglichen uns alternativ ein unbefriedigendes Ende zu erleben. The Banner Saga lehrte mich, das meine unzulängliche Fähigkeit Situationen richtig einzuschätzen, zu einem Ergebnis führen kann, bei welchem nicht alles perfekt gelang, aber trotzdem das Ziel erreicht wurde. Und das ist auch gut so. Nicht jede Geschichte hat ein Happy End, wenn wir es zulassen.

 

 

2 Kommentare zu „The Banner Saga: Entscheidungen akzeptieren

  1. Ich kann leider zum Spiel selbst nichts sagen, aber vielleicht zum Thema Entscheidungen akzeptieren.
    Ich mache es in Spielen, die Entscheidungen erfordern so, dass ich nur einen Speicherstand anlege. So gerate ich nicht in die Versuchung einen alten Spielstand zu laden und mich umzuentscheiden. Wenn ich dann aber ein Spiel nochmal spiele, kommt es nur selten vor, dass ich mich grundsätzlich anders entscheide. Das ist dann am Ende oft das Gleiche. Was dann im Endeffekt vielleicht heißt, dass ich für mein Erlebnis gar nicht so falsche Entscheidungen getroffen habe.

    1. Da sagst du was Wahres, selbst wenn ich Telltale Spiele mehrfach durchspielen würde, andere Entscheidungen würde ich nur in den seltensten Fällen treffen 🙂

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