Introvertierte Menschen und Videospiele, eine Liebesgeschichte.

Der Fokus auf unsere Innere Welt ist der Kern unseres Wohlbefindens. Ein Ort zur Regeneration und Quell der Inspiration. Wir sind Tagträumer, Weltenbummler im Geiste und Denker großer Abenteuer. Introvertierte Menschen fokussieren sich im Gegensatz zu Extrovertierten lieber auf ihr Inneres. Während Soziale Interaktionen für Extrovertierte gesellige Menschen Energie bringt, entzieht uns jeder Small Talk, Arbeitskaffee mit Kollegen oder Besuch einer Party Kraft. Auch wenn wir es durchaus lieben über wichtige Dinge zu debattieren finden wir unsere Balance am Ende des Tages in unserer eigenen Welt. Manchmal aber auch in der (fiktiven) Welt eines anderen. Ein gutes Buch, ein emotionaler Film, eine mitreißende Serie und in Videospielen. Um unseren Akku wieder aufzuladen, brauchen wir Zeit für uns.

Ich bin passionierter Videospieler. Ich glaube das Medium Videospiel hat mehr zu sagen, als ihm manch einer zutrauen würde. Doch genau wie bei Büchern, Filmen und Serien,  gibt es Empfehlungen die eher für uns Introvertierte geeignet sind. Doch die typische Bewertung die man in Videospiel Magazinen liest, hilft mir sehr oft nicht um eine Entscheidung zu treffen. Ist eine 7 von 10 mit interessanter Geschichte und passendem Setting gut für mich? Als Introvertierter? Wann soll ich das überhaupt spielen, je nach Gemütslage funktionieren manche Spiele besser als andere. Brauche ich gerade ein Spiel mit großer komplizierter Story und vielen Emotionen um mein gelangweiltes Inneres zu befrieden? Oder etwas zur Entspannung? Meiner Erfahrung nach sind besonders Videospiele anders zu behandeln als z. B. Filme, welche keine aktive Handlung erfordern. Videospiele hingegen schon. Dramatische Entscheidungen, vorrausdenkendes Planen, Orientieren in einer großen offenen Welt, huch! Das kann anstrengend werden. Ich für mich brauche eine andere Art von Kategorisierung. Soll ich nach einem anstrengenden Arbeitstag, voller sinnloser Tätigkeiten, ohne wirklich etwas gefühlt, geleistet oder erfahren zu haben, nach Hause gehen und ein Videospiel spielen das es erfordert zwei Stunden lang zu „grinden“, bevor sich die Story vorran bewegt. Yay? Nein? Gut ich sehe da auch keinen Sinn darin.

Dafür gibt es auch einen guten Grund. Introvertierte Menschen sind weniger empfänglich für Dopamin. Dies ist verantwortlich für „Externe Belohnungen“. Spielt ihr Videospiele wird Dopamin z. B. ausgeschüttet, wenn ihr eine Aufgabe erfüllt, auf welche ihr länger hingearbeitet habt. Oder einen schweren Gegner besiegt, der euch schon 50 mal umgenietet hat. Im Grunde ein typisches Belohnungssystem. Stark vereinfacht gesagt haben Forscher herausgefunden, dass wir Introvertierten weniger empfänglich für Dopamin sind als Extrovertierte Menschen (Link1, Link2). Dies könnte ein Grund dafür sein, warum wir Introvertierten uns weniger zu solchen Spielen hingezogen fühlen.  Genauso verhält es sich übrigens auch mit Videospielen, die einen starken Fokus auf Multiplayer, im speziellen eSport ähnliche Spiele haben. Konkurrenzdenken liegt uns nicht besonders. Diese Thematik verdient aber einen eigenen Artikel.

Der Punkt ist, wie bei vielen anderen Dingen haben wir Introvertierte andere Bedürfnisse. Meiner Erfahrung nach genießen wir besonders Videospiele, die mit einer tollen Geschichte, interessanten Charakteren, Emotionalen Ereignissen oder einer glaubhaften fantastischen Welt punkten. Wir lieben es völlig in ein interessantes Universum abzutauchen. Spiele mit guter Immersion, sprich Spiele, die uns besonders gut und glaubhaft in eine andere Welt abtauchen lassen, sind perfekt dafür geeignet. Da wir gerne Reflektieren ist das wohl nur zu verständlich.

Manchmal wollen wir aber auch einfach unsere Emotionen abschalten, da der Tag schon genug stimulierend war. Ein Tag hat 24 Stunden, genauso viele verschiedene Arten von Spielen benötige ich. Deshalb versuche ich in meinem Blog einige Empfehlungen abzugeben und auch zu beschreiben warum genau für Introvertierte das eine oder andere gut funktioniert und vor allem auch wann. Selbstverständlich ist dies nur meine Meinung und wird keinesfalls für alle Introvertierten funtktionieren. Ich hoffe aber, dass hier die Themen Videospiele und Introvertierte ein Zuhause finden.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen meines Blogs.

Introvert the Game!

4 Kommentare zu „Introvertierte und Videospiele

  1. Ich blättere mich gerade rückwärts durch deinen Blog und bin irgendwie traurig, dass ich den Blog erst jetzt so richtig gentdeckt habe. Aber dank Spielkritik ist das ja jetzt der Fall.
    Viele Punkte die du hier aufzählst und auch in anderen Artikeln kann ich 1 zu 1 auf mich übertragen. Und das ist irgendwie gut, dass man nicht der Einzige ist, dem gewisse Spiele und Trends nicht zusagen, aber bisher nie genau sagen konnten, woran das liegt. Gleiches gilt für Aspekte in Spielen die mir gefallen.
    Interessant wird es dann bei Spielen die mir gefallen, die aber beide Aspekte in Teilen bedienen. Final Fantasy V zum Beispiel habe ich erst vor ca 1 1/2 Jahren zum ersten Mal gespielt. Die ständigen Kämpfe haben mich genervt und das stupide grinden hat dafür gesorgt, dass ich kurz vor Ende aufgehört habe. Aber die Figuren und die Geschichte haben auch dafür gesorgt, dass ich trotzdem bis zu diesem Punkt gespielt habe. Danach habe ich noch andere Final Fantasy angefangen, aber der Aspekt der Zufallskämpfe und sich wiederholender Tätigkeiten waren immer ein Grund nicht weiterzumachen.

    1. Hi Lenny,

      es ist toll, dass du dich mit meinen Texten identifizieren kannst! Ich plane definitiv wieder mehr Artikel in der Kategorie Introspektive zu veröffentlichen. Falls dich ein Thema besonders interessiert schreib mir doch 🙂

      Deine Erfahrungen mit Final Fantasy kann ich gut nachvollziehen! Ich selbst hab Teil 5 zwar nie gespielt, kenne das aber aus unzähligen anderen „grindigen“ Spielen. Selbst in Final Fantasy 15 bin ich immer zur nächsten Hauptquest weiter, da mich alle Nebenaktivitäten schnell gelangweilt haben (Was meine Freundin absolut nervt, da sie ein absoluter Completionist ist 😉 ).

      Zusätzlich zu den in den Artikeln genannten Ursachen, sei noch erwähnt das solches Game Design bei mir völlig die Immersion zerstört, wenn nicht vernünftig ins Spiel integriert. Sofern Nebenaktivitäten sich anfühlen, als wären sie Teil der Geschichte hab ich nichts dagegen (Persona 5 z. B.). Sobald das Game Design aber nur noch darauf ausgelegt ist, die Spielzeit zu strecken und somit die Zeit des Spielers nicht mehr respektiert vergeht mir die Lust sehr schnell.

      1. Ich finde es grad erstmal interessant für mich schlüssige Begründungen zu finden, warum mir manche Spiele oder Spielsysteme mehr Zusagen oder nicht. Abseits davon ob mir ein Genre gefällt. Shooter sind bei mir zum Beispiel immer kritisch. Da muss es schon ein Spiel wie Bioshock Infinite sein, damit ich einen Shooter spiele. Und Infinite hatte auch schon sehr, für mich, unter seinem Gameplay zu leiden. Ohne etwas über die Qualität zu sagen.

        Ja da sagst du was wahres. Immersion ist auch der wichtigste Aspekt für mich. Und daran scheitern viele Open World-Titel. Da gibt es viel Inhalt und viele Missionen, aber die haben für mich keinen Einfluss auf die Welt oder auf handelnde Personen. In GTA kann ich Mist bauen, in Missionen geht es in der Regel darum andere zu töten und dann gibt es noch ne Verfolgungsjagd. Wenn ich dann aber frei spiele, hat das alles keine Bedeutung mehr. Ich kann Taxi fahren, keiner kennt mich und ich kann mich frei bewegen. Wo sind da die Konsequenzen meines Handelns.
        Da hat mir der Ansatz von Assassin‘s Creed 2 besser gefallen. Dort muss ich Fahndungsplakate abreißen, Leute bestechen usw um mich wieder bewegen zu können wohin ich will. Das ist oberflächlich, aber ein Schritt in die richtige Richtung, die leider nicht weitergegangen wurde.
        Ein anderes positives Beispiel war und ist da für mich Mass Effect Andromeda. Da haben mir zum einen Figuren, Geschichte und Welt gefallen. Besonders aber der spielerische Aspekt, dass ich Welten bewohnbar mache. Und mein Handeln hat direkten Einfluss auf die Welt und steht nicht im Luftleeren Raum. Sowas wünsche ich mir von viel mehr Spielen.

        Über solche Spiele und Systeme würde ich gerne mehr lesen.

Lass mich wissen was du denkst!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.