Open World Spielen mangelt es oft an Lebendigkeit, emotionaler Tiefe und glaubhaften Charakteren. Das Abklappern von Zusammenhangslosen Zielen auf der Map macht aus einem spannenden erzählerischen Meisterwerk schnell eine To-Do Liste welche weder Freude bereitet, noch etwas zu erzählen hat. Die Emersion geht zu schnell und zu oft verloren. Für mich als Spieler, welcher besonderen Wert auf Erzählung, Charakterentwicklung und cineastischer Präsentation legt, sind Open World Spiele regelmäßig eine Ernüchterung. Horizon hingegen ist eine erfreuliche Überraschung.

Aloys suche nach ihrem Platz in der Welt
Guerilla hat mit Horizon Zero Dawn etwas geschaffen das ich noch in keinem anderen Open World Spiel, seit Witcher 3, in dieser Qualität erleben durfte. Trotz des, auf den ersten Blick, unglaubwürdigen Settings, gelang es Guerilla eine Welt voller spannender und emotionaler Geschichten zu erzählen. Die Haupt- Storyline behandelt eine Weltumfassende hochdramatische und dabei gut inszenierte Tragik, welche sowohl gut erklärt, warum die Welt von Maschinen besiedelt ist, sowohl auch den Platz der Menschen, welche nahezu altertümlichen Stämmen ähneln.

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Die Persönliche Note macht den Unterschied
Aloys Motivation ergibt sich in erster Linie aus der Tatsache, dass sie als Kind verbannt wurde. Ihre Herkunft ist ungewiss und keine Mutter bekannt. Verstoßen und als Außenseiterin aufgezogen wird sie bereits als Kind mit der Realität konfrontiert, dass Sie von den Stämmen nicht akzeptiert wird. Mutterlos und allein wird sie von Rost aufgezogen, einem Verbannten der sein mögliches tut ihr alles beizubringen und sie auf die Welt vorzubereiten.

Dieser prägende Umstand ist der Kern von Aloys Abenteuer. Sie möchte Herausfinden wer ihre Mutter war und folglich ihren Platz in der Welt finden. Dieses Ziel stellt sie bei jeder Entscheidung über alles andere. Ein Mädchen das sich wünscht ihre Mutter kennen zu lernen. Diese sehr emotionale und nachvollziehbare Motivation zieht sie neben der Hauptgeschichte als zweiter roter Faden durch das Spiel. Für mich persönlich war diese Reise ein zweites Standbein, welches Horizon Zero Dawn nicht nötig hat, aber schlussendlich zu einem Meisterwerk für jeden Spieler macht, welcher auf gute persönliche Geschichten wert legt. Diese außerordentlich gute erzählerische Leistung der Story Writer möchte ich hier hervorheben. In Zeiten steigender Beliebtheit von Multiplayer fokussierten Spielen ist es umso wertvoller solche Spiele erleben zu dürfen. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende gut durchdacht und kann mit einigen Höhenpunkten und Überraschungen aufwarten, so dass ich nach dem Finale alle Antworten hatte, die anfangs aufgeworfen wurden.

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© Sarayu Ruangvesh

Introverts Heaven
Aloys Geschichte ist emotional, nachvollziehbar und gut erzählt. Die Welt glaubhaft, voller Wunder und interessant geschriebenen Charakteren. Die Nebenmissionen sind meist logisch mit der Hauptgeschichte verknüpft und bereichern die Lebendigkeit der Welt. Das geniale Gameplay und die unglaubliche schöne gestaltete Welt runden dieses Meisterwerk ab. Auch der Umgang mit dem in Videospielen typischen Problem, der Sexualisierung von weiblichen Charakteren, macht Guerilla hier kurzen Prozess. Aloy ist ein authentischer, starker und sympathischer Charakter, der ohne Klischees auskommt.  Danke Guerilla, ich kann das nächste Abenteuer kaum erwarten. Bitte mehr davon.

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2 Kommentare zu „Introvert Check: Horizon Zero Dawn

  1. Das finde ich sehr interessant. Mir ging es da nämlich genau anders.
    Ich bin ein großer Fan von Enslaved. Und vom Setting her sind sich beide Spiele ja in gewisser Weise ähnlich. Deshalb hab ich mich auch sehr auf das Spiel gefreut. Etwas Zweifel hatte ich nur wegen der Open World. Und was soll ich sagen, die Zweifel waren für mich berechtigt. Die Geschichte war mir sehr schnell klar. Natürlich nicht in allen Einzelheiten und Wendungen, aber ein Audiolog hat mir schon genügt um sich die grobe Geschichte zusammenzureimen. Danach ging es nur noch darum mir zu bestätigen, dass meine Vermutungen richtig sind. Das alles wäre auch nur halb so schlimm, wenn die Figuren besser gewesen wären. Aber außer Aloy hat mich da keine Figur emotional berührt. Was zum einen daran lag, dass ich schlecht behandelt wurde, weil Aloy keine Mutter hat. Zum anderen lag es daran, dass die Missionen immer das Gleiche waren. Geh wohin und töte entweder Maschinen oder Menschen. Früher oder später lief es darauf hinaus. Und das hat mich tierisch gelangweilt. Ein Problem das auch GTA hat.
    Aber ich will ja nicht nur meckern, denn ich hab das Spiel ja durchgespielt. Was auch einen Grund haben muss. Denn das Gameplay an sich war richtig gut. Das Bogenschießen hat sich einfach super angefühlt und auch das Schleichen hat mir endlich mal Spaß gemacht. Auch wenn ich nicht sonderlich gut war und es gegen Ende kaum noch nötig war. Ein anderer Pluspunkt ist auf jedenfall die Welt. Ich habe bis dato nur wenige Videospielwelten gesehen die so schön sind. Die Mischung aus Wildnis, alten Überbleibseln der Städte, die hochtechnisierten Ruinen und natürlich die Maschinenwesen. Das alles gibt eine Einheit, die man so nicht hätte erwarten können.

    1. Aloys Geschichte hat mich überraschenderweise sehr berührt. Ich fand ihre Suche nach ihrer Mutter, eingebettet in eine große epische Geschichte sehr gut gelungen. Das „Environmental Sotrytelling“ war auf hohem Niveau und der Atmosphäre sehr zuträglich . Du hast aber Recht, wenn du sagst das der Großteil des „Support Casts“ wenig interessant geschrieben war.

      Gameplay technisch hat Horizon nicht viel neu erfunden, aber sehr sauber umgesetzt.
      Nimmt man zudem noch die Vergangenheit des Entwicklers mit in die Gleichung, kann man sich eigentlich nur über Horizon freuen 🙂 Darauf kann Guerilla Games aufbauen.

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